Labor für Psychophysiologie
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Leitung:
Dr. med. Kneginja Richter
Oberärztin, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie, Somnologin
Mitglied der deutschen Gesellschaft für Neurophysiologie, EEG Zertifikat
Das Labor für Psychophysiologie ergänzt die Diagnostik
und Behandlung psychiatrischer Erkrankungen durch apparative
Methoden, mit denen Veränderungen bestimmter körpereigener
Funktionen erkannt werden können. So berichten z.B. Menschen,
die unter Angststörungen leiden über ein „Herzrasen“ oder über
verstärktes Schwitzen. Diese Symptome treten auch in der
Nacht bei Menschen mit einer langjährigen Ein- und Durchschlafstörung
auf.
Eine apparative Diagnostik ist auch bei der Verordnung von
Psychopharmaka wichtig, weil diese die elektrische Aktivität
der Nervenzellen manchmal verändern können. Durch
eine entsprechende Untersuchung kann eine Optimierung der Psychopharmakotherapie
erreicht werden und unklare Bewusstseinstörungen geklärt
werden.
Eine der Ursachen der psychiatrischen Erkrankungen sind Störungen
der Freisetzung einiger Botenstoffe im Gehirn (Serotonin, Dopamin,
Noradrenalin). Mit der Hilfe der transkraniellen Magnetstimulation
in Kombination mit Medikamenten könnte bei manchen Patienten
indirekt die Freisetzung dieser Botenstoffe gefördert werden
wodurch die Symptome einer Depression verbessert werden.
Folgende Untersuchungen werden im Labor für Psychophysiologie
durchgeführt:
Neben der Diagnostik bieten wir zwei apparative Therapiemethoden
an:
Langzeit-Elektroenzephalographie
(Langzeit-EEG)
Die Langzeit Elektroencephalographie wird
nur bei besonderen Fragestellungen die einen Zusammenhang
mit den psychiatrischen Erkrankungen zeigen, durchgeführt.
Dazu gehören unklare
delirante Zustände und Einfluss der Psychopharmaka auf
die hirnelektrische Aktivität. Das gesunde Gehirn zeigt
wohlgeordnete rhythmische Eigenständigkeit mit verschiedenen
Wellenformen im Wach-und Schlafzustand. Diese werden durch eine
sog. Elektrodenhaube nach Reinigen der Kopfhaut abgeleitet und
auf das Millionenfache verstärkt. Eine Dauer von mindestens
18 Stunden ist notwendig. Die Ableitungen werden unter ärztlicher
Supervision und von medizinischtechnischen Mitarbeitern durchgeführt.
Untersuchungen des autonomen
Nervensystems und Hautleitantwort
Das autonome Nervensystem
bzw. das vegetative Nervensystem stellt das älteste Nervensystem
innerhalb der Evolutionsgeschichte von Mensch und Tier dar.
Es kontrolliert und koordiniert die unbewussten Funktionen
des Körpers wie beispielsweise Herzschlag,
Atmung und Verdauung. Liegt eine Störung einer oder mehrerer
dieser automatisch ablaufenden Prozesse vor, kann das ein Indiz
für eine psychiatrische Erkrankung sein. Allzu oft wird
diese Möglichkeit nicht oder erst sehr spät in Betracht
gezogen. Dabei genügen drei einfache Untersuchungen, um
eine Unzulänglichkeit des autonomen Nervensystems festzustellen.
Darüber hinaus kann die Verträglichkeit von Medikamenten
und deren Einfluss auf die verschiedenen Körperfunktionen
mithilfe der Diagnostik des autonomen Nervensystems überprüft
werden, wodurch eine Optimierung der Medikation ermöglicht
wird.
Die Untersuchungen des autonomen Nervensystems können
das Gleichgewicht des autonomen oder vegetativen Nervensystems
prüfen. Das autonome Nervensystem setzt sich aus dem sympathischen
und parasympathischen Nervensystem zusammen. So ist z.B. das
sympatische Nervensystem bei manchen Erkrankungen wie Angststörung,
Insomnie u. A. überaktiv. Die erhöhte sympathische
Aktivität zeigt sich durch beschleunigte Herzfrequenz,
schnellerer Atmung, verstärktes Schwitzen etc.
Für die Verträglichkeit der Medikamente ist es wichtig
den Einfluss der Psychopharmaka auf das autonome Nervensystem
zu prüfen.
Tests:
- Herzratenvariabilität
- Valsalva Versuch
- Ewing Test
- Hautreflex
Repetitive transkranielle Magnetstimulation
Mehr als eine Million
Menschen in Deutschland erleiden zumindest eine depressive Phase
in ihrem Leben. Bisher wurden Patienten mit Depression meistens
mit Medikamenten und Psychotherapie behandelt. Manche Patienten
reagieren jedoch nur unzureichend auf die oben genannten Therapien.
Dies könnte zum Teil
darin begründet sein, dass viele Patienten während
einer depressiven Phase einen veränderten Stoffwechsel
in bestimmten Bereichen ihrer Hirnrinde zeigen.
Inzwischen wurden leistungsfähige Magnetstimulatoren
entwickelt, mit deren Hilfe man gezielt (und fast schmerzlos)
durch die Haut und den Knochen hindurch die Nervenzellen einzelner
Hirngebiete aktivieren kann. Dadurch konnte eine bisher allerdings
noch begrenzte Zahl von depressiven Patienten erfolgreich behandelt
werden, indem gezielt die Hirngebiete stimuliert wurden, die
während der Krankheitsphase am häufigsten einen gestörten
Stoffwechsel zeigten.
In unserer Klinik steht ein solcher Magnetstimulator zur Verfügung,
mit dem wir Serien von magnetischen Impulsen der Hirnrinde des
Patienten verabreichen können. Die eigentliche Behandlung
besteht aus mehreren Behandlungsserien à 5 Tage (10 – 15
Tage). Die einzelne Behandlung besteht aus mehreren Reizserien,
deren Länge von der Frequenz des Magnetimpulses (1 bis
10 Hz) abhängt, so dass die Reizung insgesamt ca. 20 Minuten
andauert. Die Reizung kann zu jedem Zeitpunkt auf Ihren Wunsch
abgebrochen werden.
Zu Beginn der Behandlung wird die Magnetspule über das
Hirnareal gehalten, das die gegenüber liegende Hand ansteuert.
Durch langsame Erhöhung des Magnetfeldes wird die Schwelle
bestimmt, an der der Daumen dieser Hand leicht zuckt. Dann wird
die optimale Magnetdosis berechnet und an der Stelle verabreicht,
an der die Stoffwechselstörung bei depressiven rechtshändigen
Patienten wahrscheinlich vorliegt.
Eine der wichtigsten aber eher seltenen Nebenwirkungen der
Magnetstimulation ist das Zittern der Kopf- und Stirnmuskulatur
auf der Seite der Stimulation während der Entladungen,
da auch benachbarte Kopfnerven und –muskeln stimuliert
werden. Diese Zuckungen sind unangenehm, aber nach eigener Erfahrung
erträglich. Es kann lokal ein dumpfes Gefühl über
mehrere Stunden anhalten, das durch einen Eisbeutel meist schnell
abklingt. Die während der magnetischen Entladung auftretenden „Klack“-Geräusche
sind so leise, dass mit Ohrstöpseln keine Änderung
der Hörempfindlichkeit auftreten werden.
Bei hohen magnetischen Dosen sind epileptische Anfälle
bei einzelnen Patienten ausgelöst worden, die früher
bereits einmal einen Krampfanfall erlitten haben. Ein epileptischer
Anfall kann in seltenen Fällen Verletzungen, insbesondere
einen Zungenbiss, verursachen. Die Atmung kann durch Blut und
Speichel behindert werden. Urin und Stuhl können sich entleeren.
Wir behandeln deshalb nur Menschen, deren EEG unauffällig
ist, und die bisher noch nie einen Anfall (einschließlich
Fieberkrämpfen in der Kindheit) erlitten haben.
Schwangere und Menschen mit Herzschrittmachern, Gefäßclips
nach Kopfoperationen oder Innenohrimplantaten dürfen ebenfalls
nicht mit solchen Magnetfeldern behandelt werden. Diese Sicherheitsstandards
wurden nach jahrelanger Erfahrung in der diagnostischen Magnetstimulation,
insbesondere in der Neurologie, erarbeitet.
Biofeedback-Verfahren
Biofeedback ist eine wissenschaftliche
Methode, mit dessen Hilfe normalerweise unbewusst ablaufende
psychophysiologische Prozesse (z.B. Pulsfrequenz, Schweißsekretion,
Muskeltonus, Atem,...) durch Rückmeldung (feedback) wahrnehmbar
gemacht werden. Schrittweise soll der Anwender dann lernen,
eine willentliche Kontrolle über sein physiologisches System
ausüben
zu können. Die grundlegenden Prinzipien sind uralt: Sie
reflektieren die Tatsache, dass ein Feedback von Informationen
oder das Wissen um Ergebnisse wesentlich ist für das wirksame
Erlernen jeder Fertigkeit.
Wie funktioniert Biofeedback?
Durch Sensoren werden
Körperfunktionen, die normalerweise
nicht bewusst wahrgenommen und beeinflusst werden können,
registriert. Am Bildschirm vor Ihnen können Sie die Vorgänge,
die innerhalb Ihres Körpers ablaufen, sehen. Ihre Aufgabe
beim Biofeedback-Training ist es, diese Körpervorgänge
bewusst und willentlich zu beeinflussen. So trainieren die Patienten,
ihre Muskelverspannungen zu reduzieren oder stressgeplagte Menschen,
ihr vegetatives Nervensystem zu beruhigen. Innerhalb weniger
Sitzungen kann ein nachhaltiger Erfolg bei vielen Beschwerden
erzielt werden - ohne Nebenwirkungen. Das Biofeedback-Gerät
ist somit wie ein Spiegel, der Informationen über
das Körperinnere liefert. Dieser Spiegel ist dann nicht mehr notwendig,
wenn die Selbstregulation einmal gelernt wurde. Die Fähigkeit, physiologische
Prozesse zu beeinflussen, bleibt somit durch regelmäßiges Üben
erhalten und verhilft so zu einem gesunden und ausgeglichenen Leben.
Typische Einsatzgebiete des Biofeedbacks sind:
- Stress, Stressfolgen, Stressbewältigung
- Schlafstörungen
- Sexualstörungen
- Hyperaktivität, Aufmerksamkeitsstörungen
- Angststörungen, Depressionen
- Posttraumatische Belastungsstörungen
- Verbesserung der Körperwahrnehmung
- Psychische Ursachen / psychische Folgen von körperlichen
Krankheiten